1973 entwarf ICESA die Filiale des Banco Anglo Costarricense in Santa Cruz, Guanacaste – ein Eckgebäude, das unmittelbar eine klare städtebauliche Geste formulierte: Das Erdgeschoss tritt zurück, erweitert den Gehweg und spendet den Fußgängern im intensiven Klima Guanacastes Schatten. Fünfzig Jahre später steht das Gebäude leer. Doch seine Struktur steht weiterhin, seine räumliche Qualität ist erhalten geblieben, und die Frage, was daraus werden könnte, ist heute relevanter denn je.

Ein Gebäude, das dem Straßenraum etwas zurückgab

Der zentrale Entwurfszug war ein ziviler, städtischer Akt. Indem das aktive Programm in das Obergeschoss verlegt und das Erdgeschoss freigespielt wurde, schuf das Gebäude einen schattigen öffentlichen Raum an einer Ecke diagonal gegenüber dem Parque Bernabela Ramos. Durchgehende verglaste Fassaden umschlossen das zurückgesetzte Erdgeschoss an beiden Fronten — zur Straße wie zur Avenida: offen, transparent, zugänglich. Das Obergeschoss kehrte diese Logik vollständig um: massiver Sichtbeton, geschützt durch integrierte Brüstungen und vertikale Sonnenschutzelemente, deren Rhythmus je nach Fassade variierte, an der Südseite dichter als an der Ostseite.

Im Inneren wechselte die Materialsprache den Ton. Der glatte Beton des Äußeren wich starkem Putz und weißem Anstrich. Die zweigeschossige Haupthalle wurde durch ein schwebendes Mezzanin und eine sorgfältig proportionierte Treppe gefasst. Das Obergeschoss vervollständigte ein für eine Bankfiliale ungewöhnliches Raumprogramm: Wohnräume, organisiert um einen zentralen Gartenhof — eine Typologie, die für Provinzfilialen jener Zeit außerhalb der Gran Área Metropolitana typisch war.

Drei Ideen, die Beers Werk durchziehen

Die Banco-Anglo-Filiale in Santa Cruz gehört zu einer konsistenten Denklinie im Werk von Franz Beer. Das Gebäude entwickelt sich aus seiner städtischen Landschaft heraus, anstatt sich einfach auf sie zu setzen: Schatten, Rücksprung und öffentlicher Raum sind architektonische Entscheidungen, keine nachträglichen Zugaben. Die materiellen Kontraste — zwischen äußerem Beton und innerem Putz, zwischen dem massiven Obergeschoss und dem transparenten Erdgeschoss — spiegeln Beers anhaltendes Interesse an einer taktil-sinnlichen Architektur wider, in der Textur und räumliche Abfolge die Erfahrung ebenso prägen wie der Grundriss. Und das Innere erschließt sich schrittweise: ein verdichteter Eingang, die Erweiterung in die doppelte Höhe, die Überraschung der Wohnräume darüber — ein räumliches Konzept, das die vollständige Sequenz belohnt, statt sich schon von der Straße aus vollständig preiszugeben.

Von der Bank zum Leerstand — und weiter zu einem Potenzial

Die Banco Anglo wurde 1994 geschlossen. Das Gebäude ging an die Municipalidad de Santa Cruz über und steht seit dem Erdbeben von Nicoya im Jahr 2012 leer, dem Nicoya earthquake. Dreizehn Jahre der Vernachlässigung haben nicht ausgelöscht, was seine Erhaltung lohnenswert macht: eine robuste Struktur, eine großzügige Eckpräsenz und eine Beziehung zum Park und zur Straße, wie sie nur wenige Gebäude in Santa Cruz aufweisen.

Ein aktueller Beitrag von ICESA in den sozialen Medien über das Gebäude löste ein unerwartet großes Echo aus: Bewohner schlugen Nutzungen vor, die von einer öffentlichen Bibliothek über ein Zentrum für Technologieunternehmertum bis hin zu einem Kulturmuseum reichten. Die Diskussion machte etwas sichtbar, das gute Architektur selbst nach Jahrzehnten der Vernachlässigung hervorzubringen vermag: Menschen erkennen sie wieder, erinnern sich an sie und können sich vorstellen, dass sie erneut mit Leben erfüllt wird.

ICESA hat einen Vorschlag zur Wiedergewinnung des Gebäudes entwickelt. Der zivile Maßstab ist da. Die schattige Ecke ist da. Das Argument, es ins öffentliche Leben zurückzuführen, spricht für sich selbst.